Content-Strategien für Web-Texte Teil 1

Content-Strategien für Web-Texte Teil 1

Im Gegensatz zu Print-Medien, werden Texte im Internet oft nicht vollständig durchgelesen, sondern lediglich gescannt. User sind im Normalfall auf der Suche nach einer bestimmten Information, die sie durch sogenanntes „scannen“ des Textes zu finden versuchen – eine wichtige Information muss deshalb entsprechend verpackt werden, um vom Leser auch wahrgenommen und gelesen zu werden. Etwa 17% aller Leser im Internet verlassen eine Webseite nach exakt vier Sekunden, im Durchschnitt verbringen sie maximal 10 Sekunden auf einer Webseite.

Um das zu vermeiden, müssen einige Regeln eingehalten werden, über die ich in diesem Artikel aufklären werde.

Vorbereitung ist alles – das Briefing

Der erste Schritt zu einem neuen Web-Text ist das Briefing – dieses sollte nach Möglichkeit den größtmöglichen Umfang haben – ein Redakteur sollte möglichst explizite Arbeitsanweisungen bekommen, um weitere Schritte entsprechend Planen zu können. Ein direkter Kontakt zum Auftraggeber wäre hier von Vorteil, wenn auch nicht immer realisierbar.

Die Recherche

Eine gründliche Recherche ist die halbe Miete beim Erstellen eines gut fundierten und niveauvollen Textes. Hierbei gilt es, möglichst viele Informationen rund um das vorgegebene Thema zu sammeln, sich dabei auf diversen Webseiten umzuschauen, vor allem auf konkurrierenden Portalen und Seiten mit ähnlicher Thematik. Auffällige Begriffe und Redewendungen, die sich auf themenähnlichen Seiten oft wiederholen, sollten dabei notiert werden.

W-Fragen-Tool – Das Handwerkzeug für SEO-Texter

Screenshot des W-Fragen-Tools SEOlyze

Bild: Screenshot des W-Fragen-Tools SEOlyze Bildquelle: SEOlyze.com

Unabdingbar für die Recherche ist ein W-Fragen-Tool wie SEOlyze. Das Tool ermittelt Fragen, die sich User zu dem Stellen – diese sollten in dem Text auch beantwortet werden, um auch eine entsprechende Klick-Rate erwarten zu dürfen. Nur wenn ein Text auch die Informationen enthält, die User finden möchten, wird er auch gesucht und gelesen!

Allgemeine Wording-Guideline

Um die richtige Wortwahl zu treffen, sollte man schon vorhandene Texte des Kunden genauer betrachten. Das Markenbild vieler Unternehmen spiegelt sich in der Wortwahl wieder – ob in Slogans, Redewendungen oder einzelnen Begriffen, die das Unternehmen und seine Einstellung am besten wiedergeben. So beinhalten Texte von BMW zum Beispiel sehr oft Begriffe wie „Dynamik“, „sportlich“ und „Freude“, während Mercedes Benz eher zu Begriffen wie „Komfort“, „Eleganz“ und „entspannt“ greift. Allein durch diese kleine Wortwahl erkennt der User, was für einen Charakter das beworbene Produkt hat.

Zielgruppenanalyse

Wer wird bzw. soll den Text lesen? Handelt es sich bei den Lesern um B2B-kontakte, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind oder um einen potenziellen Kunden, dem das Produkt gefallen soll? Zu aller erst sollte man versuchen, sich in die Zielgruppe hinein zu versetzen – dazu sind folgende Ansätze hilfreich:

  • Altersgruppe: Handelt es sich um eine eher jugendliche oder ältere Zielgruppe? Eine Recherche der Interessen und No-Gos ist hier unabdingbar, ebenso Begriffe, die in dieser Altersgruppe geläufig sind. So ist zum Beispiel das Wort „geil“ bei den 14-29-Jährigen geläufig und weniger verpönt, während es bei der Ü30-Generation oft als anstößig empfunden wird. Ebenso fühlen sich jüngere Menschen wohler, wenn sie mit „Du“ angesprochen werden.
  • Monetärer Status: Wird der geschriebene Text zum Beispiel auf einem Luxusuhren-Portal veröffentlicht, wird das Interesse der Leser an qualitativ minderwertigen Produkten recht gering sein.
  • Bildung: Entsprechend des erwarteten Bildungsniveaus sollte die Wortwahl erfolgen – umso niedriger dieser zu erwarten ist, desto elementarer sollte die Ausdrucksweise sein.

Usability von Web-Texten

Ein gut recherchierter und informativer Artikel nützt einem nichts, wenn er nicht gelesen wird. Das Verständnis über die Eigenheiten der Leser hilft dabei, eine hohe Absprungrate zu vermeiden. Vermeiden sollte man folgende Fehler:

  • Unformatierte Texte ohne sichtbare Gliederung
  • Unpassende Überschriften, die sich nicht auf den folgenden Text beziehen
  • Willkürliche Fettung von Begriffen – weniger ist oft mehr
  • Zu viele Links in einem Text – User schrecken zu viele Links ab
  • Kleine Schriftgröße, zu viele Farben
  • Wenig Kontrast bei der Farbwahl von Schrift und Hintergrund

Scannen oder Lesen?

Texte werden von den meisten Leuten lieber auf Papier gelesen.

Bild: Anzahl der Personen in Deutschland, die längere Texte lieber an einem Bildschirm bzw. lieber auf Papier lesen, im Jahr 2015 (in Millionen). Bildquelle: Eigene Darstellung

Eine traurige Wahrheit ist, dass ein Großteil der im Internet veröffentlichten Texten gar nicht gelesen wird! Die Schlussfolgerung daraus, Text sei unwichtig ist jedoch falsch. Vielmehr gilt es zu verstehen, wie mit Textinhalten im Internet umgegangen wird – schließlich unterscheidet sich die Art und Weise, wie wir Texte auf Bildschirmen wahrnehmen, stark von der auf bedrucktem Papier! Folgende Fakten über das Online-Leseverhalten von Nutzern sprechen für sich:

  • Im Internet wird nicht jede Zeile einzeln durchgelesen, sondern der Text wird auf der Suche nach informativen Begriffen überflogen – hat sich der gewünschte Begriff nicht gefunden, wird die Seite verlassen, um auf der nächsten Webseite weiter zu suchen.
  • Innerhalb von maximal zehn Sekunden entscheiden sich User, ob sie auf der Seite bleiben und weiterlesen, oder sie lieber verlassen. Rund 17% Verlassen eine Seite nach vier Sekunden!
  • Das Ablesen eines Textes auf einem Bildschirm dauert etwa 25% länger als auf Papier! Schuld daran sind die Lichtimpulse des Bildschirmes, die unsere Augen stärker beanspruchen und ermüden lassen.
  • User verbringen etwa 70% ihrer Besuchszeit damit, die Informationen auf der linken Seite des Bildschirmes zu scannen – lediglich 30% der Besuchszeit widmet sich dem rechten Teil.
  • Das Leseverhalten entspricht einem F-förmigen Muster – Informationen auf der linken Seite regen dazu an, nach weiteren Informationen rechts zu schauen.
  • 80% aller User scrollen nicht nach unten, sondern bewerten primär die Informationen, die zuerst angezeigt werden.
  • 4 von 5 Webseiten-Besucher lesen die Überschriften, nur 1 von 5 auch den Text darunter!

Google-Bot ahmt Leser perfekt nach

Nur durch das Verinnerlichen der Fakten über das Leseverhalten der Internet-Nutzer kann man einen Web-Text so gestalten, dass dieser auch entsprechend wahrgenommen wird. Auch die Crawler von Google imitieren diese Angewohnheiten, sodass sie Texte entsprechend bewerten können.

Das Prinzip der umgekehrten Pyramide

Die essenziellen und unverzichtbaren Informationen sollten am Anfang eines Textes stehen.

Bild: Das Prinzip der umgekehrten Pyramide. Bildquelle: Eigene Darstellung

Verglichen mit einem Krimi, entsprechen Texte für das Web dem exakten Gegenteil: Anstatt bis zum Schluss die Spannung zu halten und zu steigern um kurz vor Schluss aufzuklären, wer jetzt der Mörder war, offenbaren Web-Texte diese Information als erstes.

An das Web angepasster Schreibstil

Gerade durch die Lesegewohnheiten der Internetnutzer geht hervor, dass Informationen möglichst kurz und knappgehalten werden sollten, um sie schneller erkennbar zu machen. Das gelingt einem am besten wie folgt:

  • Einfache, leicht verständliche und aktiv formulierte Sätze
  • Jeweils nur einen Gedanken in einen Satz packen
  • Lange holprige Schachtelsätze vermeiden
  • Überflüssige Nebeninformationen, die der User nicht benötigt, weglassen

Bei einer Satzlänge über 18 Wörtern sollte man folgendes überprüfen:

  • Gibt es unnötige Informationen, die gestrichen werden können?
  • Lässt sich der Satz in zwei splitten?
  • Sind zu viele Fakten in einem Satz?

Des Weiteren, sollten lange, zusammengesetzte Wörter, nach Möglichkeit getrennt werden – ob durch Bindestriche oder Umschreibungen. Hier ein paar Beispiele:

  • Briefmarkensammelalbum à Sammelalbum für Briefmarken oder Briefmarken-Sammelalbum
  • Schifffahrtskapitän à Schifffahrts-Kapitän
  • Teppichbodenqualität à Teppichboden-Qualität

Checkliste für perfekte Texte

Folgende Punkte sollte man grundsätzlich mit einbauen und spätestens nach Fertigstellung des Textes noch einmal überprüfen:

  • Texte in Absätze gliedern
  • Möglichst viele Zwischenüberschriften verfassen
  • Tabellen und Aufzählungszeichen einbauen
  • Das Wichtigste zuerst erwähnen
  • Längere Textpassagen zusammenfassen
  • Einfache Sprache und positive Ausdrucksweise verwenden
  • Abstrakte Sprache und Fremdwörter
  • Kurze Sätze und Wörter bevorzugen
  • Praktische Beispiele suchen
  • Eher Aktiv als Passiv schreiben
  • Nur gebräuchliche Metaphern und Redewendungen verwenden
  • Abkürzungen, „Fachchinesisch“ und Initialen vermeiden

Fazit

Texte schreiben kann jeder – richtig gute Web-Texte, die auch gelesen werden ist jedoch eine Kunst für sich. Mit der richtigen Vorbereitung, Recherche und Zielgruppenanalyse sowie dem W-Fragen-Tool gelingen jedoch Texte mit Inhalten, die auch wahrgenommen werden.

Autor: Moschos Moschokarfis

Über 

Ich beschäftige mich leidenschaftlich mit Content-Marketing und Suchmaschinenoptimierung. Seit dem Jahr 2010 bin ich selbstständig und habe nach dem Studium bei einem mittelständischen Unternehmen als Head of Marketing gearbeitet. Als Geschäftsführer von SeoPlus.Expert verfolgen ich und mein Team eine einfache Philosophie: Qualität statt Quantität. Neben dem Kunden steht auch der Leser des lancierten Artikels im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Wir schaffen ausschließlich hochwertige Inhalte. Die Domainendung .EXPERT haben wir uns nicht umsonst ausgesucht.

  • facebook
  • googleplus
  • skype

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>